Basma und Tatiana - Mehr als nur Freundinnen

Eine Erfahrung aus dem alltäglichen, konkreten Miteinander der Christin Tatiana und der Muslima Basma.Eine beispielhafte Geschichte für die Begegnung zwischen Völkern, die sich nur durch die gegenseitige Anerkennung und Aufgeschlossenheit verändern und eine Erfahrung als Familie machen können.

Basma: Ich heiße Basma und komme aus Tunesien, ich bin Muslima.
Tatiana: Ich bin Tatiana, Italienerin und Christin. Das ist Ahmed, der Sohn von Basma und das ist Miriam, eine meiner Töchter. Ich habe Basma vor der Schule kennengelernt, denn unsere Kinder besuchen die selbe Schule.

Basma: Sie ging vorbei und dachte sich wohl: „Arme Mutter, sie spricht mit niemandem.“ Und eines Tages sprach sie mich an: „Sie sprechen kein Italienisch?“ Und ich darauf: „Ich spreche ganz ausreichend Italienisch“. Aus diesem Moment entwickelte sich nach und nach eine Freundschaft. Eines Tages lud sie mich nach Hause ein, ich ging hin und dachte: Meine Güte, Gott segne diese Familie! Sie haben sechs Kinder und sie ist schwanger, sie ist wieder schwanger.“

Als ich nach Hause kam, erzählte ich das meinem Mann: „Hör mal Ben, diese Familie ist so und so ... Übrigens, Tatiana wünscht sich Cous-Cous“. Er meinte: „Basma, dann kochen wir CousCous und bringen es ihr“. Und wir haben ihr solch eine Überraschung bereitet. Ben brachte es hin, klopfte an und als sie aufmachte, sagte sie: „Ben, danke, danke...“. Sofort rief sie mich an: „Basma, mir kommen die Tränen, warum habt ihr das gemacht?“ Ich antwortete: „Schau, Tatiana, er hat es gern für dich getan, denn ich habe in eurer Familie echte Christen gesehen, die an Gott glauben, die beten wie wir, wir haben viele Dinge gemeinsam, nicht wahr?“
Tatiana: Ja, das ist richtig.
Basma: Man darf Muslime und Christen nie gegeneinander ausspielen … nie.

Tatiana: Von Basma habe ich gelernt, Gott jeden Augenblick zu danken, sei es für das Gute wie für das Schlechte, - Habdul Allah.

Basma: Prima, Tatiana. Sie hat sogar Arabisch gelernt. Ich habe stattdessen von Tatiana gelernt, was die Gaben der Vorsehung sind. Wir müssen immer, egal was, mit unseren Brüdern und Schwestern teilen.
Am 13. März, morgens um zwei Uhr wachte Ben auf und sagte zu mir: „Basma, ich kann weder das Bein noch den Arm bewegen“. Wir riefen den Krankenwagen und ich rief Tatiana an…

Tatiana: Ben kam ins Krankenhaus. Es war ziemlich heftig, denn er hatte einen Schlaganfall. Es ging ihm sehr schlecht und es gelang den Ärzten nicht, die Situation zu stabilisieren. Basma war wirklich verzweifelt. Ich war bei ihr, aber ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich konnte nur mit ihr diesen Schmerz annehmen. In dem Moment waren wir mehr denn je Schwestern. Es waren sehr, sehr schmerzliche Tage...
… schwierige …, denn Ben ging es immer schlechter.
Basma: Noch bevor es Ben sehr schlecht ging, besuchte Tatiana ihn eines Tage– sie begleitete mich jeden Tag ins Krankenhaus, ließ mich dort und kam dann wieder –, und er sagte zu ihr: „Ich vertraue dir Basma, Osama und Amed an“.

Tatiana: Auch Paolo, mein Mann war da, er ist Arzt und arbeitet im Krankenhaus. Eines Abend rief mich Paolo an und sagte: „Tatiana, komm schnell, Ben stirbt. Als Schwester von Basma konnte ich dort sein, ihn Gott anvertrauen und ihn im letzten Moment begleiten. Dann starb Ben. Und alles war in tiefen Schmerz eingetaucht. Basma konnte nicht mehr essen; sie war nicht mehr fähig, irgendetwas zu tun. Ihre großartigen Kinder haben ihr mit ihrer Liebe wirklich geholfen.
Basma: Als ich dann eine Arbeitsstelle gefunden hatte, war ich froh und traurig zugleich. Ich war froh über diese Arbeit, sie gab mir und meinen Kindern wenigstens ein Auskommen. Tatiana rief mich an und fragte: „Basma, wie geht es dir?“ Und ich: „Alles in Ordnung, ich habe eine gute Nachricht“. „Hast du eine Arbeit gefunden?“ Ich antwortete: „Ja, ich habe Arbeit gefunden, aber ich muss morgens um 4 Uhr in die Fabrik.“ Sie sagte: „Basma, mach dir keine Sorgen, ich bringe dich hin, mach dir keine Sorgen.“ In diesem Moment entstand eine Kette, … ich nenne es nicht Freundschaft, sondern es entstand eine große Gemeinschaft mit christlichen Brüdern und Schwestern. Jeden Tag brachte mich jemand zur Arbeit. Am Arbeitsplatz fing auch ich an, alle zu lieben, und jetzt brauchen mich meine Brüder und Schwestern nicht mehr zur Arbeit zu begleiten. Meine Kollegen bieten mir immer eine Mitfahrgelegenheit an. Ich habe einen schönen Ausspruch gelernt, den meine christlichen Brüder und Schwestern immer gebrauchen: „Wo Liebe ist, bring Liebe hin und du wirst Liebe finden“, richtig?
Tatiana: „Wo keine Liebe ist ...“
Basma: „… bring Liebe hin...“
Basma und Tatiana: … und du wirst Liebe finden.“
 

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