Coronavirus - An vorderster Front und vom Leben zu Hause

Viele Wege, für die anderen da zu sein.

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Das Coronavirus hat alles verändert: unsere Sicherheiten und Gewohnheiten, unsere Beziehungen, unsere Lebensweise, die Wirtschaft … Und diese Pandemie hat bereits zahllose Opfer gefordert. Aber es gibt auch heroische Taten: an vorderster Front von Ärzten und Pflegepersonen, von Zuständigen der öffentlichen Ordnung oder von Angestellten im Supermarkt, aber auch von den vielen, die am Arbeitsplatz hohe Risiken eingehen, damit wir alle über die Runden kommen.
Das verdeutlichen einige Beispiele aus den am stärksten betroffene Gebieten in Italien und Spanien.

 

 

ITALIEN: Sieben Stimmen mitten aus der Krise

Rosalba Pizzone: Ich bin hier bei der Arbeit wie jeden Tag, mache aber in letzter Zeit Überstunden, weil wir versuchen, mit dem Gesundheitsmanagement und allen Bediensteten einen Notfallplan auszuarbeiten, um dem Coronavirus Herr zu werden und möglichst gut auf die Bedürfnisse der schwächsten Bewohner einzugehen..
Es sind besondere Tage für alle, auch für unsere Fokolarfamilie in Italien. Wir hatten eine Menge verschiedenster Veranstaltungen vorbereitet, um das Jubiläum von Chiara zu feiern. Stattdessen haben wir jetzt ein völlig anderes Programm. Was wir auf jeden Fall tun können, ist: lieben. Wir spüren eine Gegenwart Jesu unter uns allen, die sogar in der Lage ist, die Mauern der Intensivstation zu überwinden und auch die zu erreichen, die einsam an einem Beatmungsgerät angeschlossen sind.
Obwohl manche Momente schwierig und schmerzhaft sind, weil wir vielleicht einen Verwandten verloren haben, sind sie doch erfüllt von einem größeren Licht, dem Licht von Jesu unter uns allen. Wir sind sicher, dass es auch bei den Verstorbenen angekommen ist und sie begleitet hat.
Stark waren auch die Tage, in denen wir die Solidarität von so vielen erleben durften: durch unzählige Videos, Grußbotschaften und auch durch sehr konkrete Solidarität in Form von Schutzmasken und vielem anderem aus der ganzen Welt. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken.

Don Andrea Caelli, Chiavenna:
Liebe Freunde, ich bin Don Andrea, Pfarrer von Chiavenna, einem wunderschönen Städtchen im Herzen der Alpen. Auch hier ist das Coronavirus angekommen, wie vielerorts auf der Welt. Wir machen eine sehr schöne Gemeinschaftserfahrung, trotz des Leids derer, die am meisten betroffen sind: der Sterbenden und der Kranken in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Man kann sie dort nicht besuchen und ihnen nahe sein. Ich begleite einige Familien, damit sie diese Situation des Leids, der Trennung und der Distanz im Moment des Todes annehmen können.

Auch unter den Priestern meiner Pfarrgemeinde erleben wir das Übel ganz konkret. Mein jüngster Mitarbeiter, Don Lorenzo, wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Da wir zusammen essen und den Großteil des Tages miteinander verbringen, sind wir unter Quarantäne gestellt worden. Das ist eine zusätzliche Einschränkung unseres Handlungsspielraums. Aber diese Einsamkeit schürt den Wunsch nach Gemeinschaft. All dies schafft eine sehr schöne Atmosphäre der Solidarität und der Anteilnahme.
Natürlich ist ungewiss, wie lange all das noch dauern wird. Im Moment sind viele, unglaublich viele Tote zur letzten Ruhestatt zu begleiten. Aber wir sind sicher, dass uns der Herr nicht verlässt und die Worte: „Alles wird wieder gut!“ haben einen großen Widerhall. Vielen Dank an euch alle, in ganz Italien, in aller Welt! Aber dieses weltumspannende Leid ist auch begleitet von der Gegenwart und der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, der uns niemals allein lässt.

Pierangelo Pezzotta:  Ich bin Pierangelo und lebe in Bergamo, die Provinz ist ja wegen des Virus sehr bekannt. Diese Woche wurde mein Schwager beerdigt und meine Schwester hat seit über einer Woche hohes Fieber. Wir hören uns drei bis fünf Mal am Tag, um ihr auf diese Weise nahe zu sein.
Auch unsere Priester liegen mir sehr am Herzen. In wenigen Tagen starben mehr als 20. Deshalb pflegen wir auch den Kontakt mit unserem Bischof und den anderen Priestern. Einer verlor seine Mutter, ein anderer seine Schwester und es gibt noch mehr Probleme. Ich hörte, wie der Pfarrer sagte: „Ich komme gerade aus der Poliklinik. Dort habe ich 35 Tote eingesegnet, bevor sie das Militär zur Einäscherung brachte.“ So sind wir auch den Menschen der Kirche nahe … Es ist eine Möglichkeit, Jesus außerhalb des Tabernakels unter den Menschen leben zu lassen.
Ich bekomme Anrufe von vielen Familien. Eine sagt mir: „Gestern haben wir nichts gegessen, denn wir haben keine Lebensmittel und kein Geld, um welche zu kaufen.“ Als Beauftragte der Caritas bereite ich die Sackerln mit Lebensmitteln vor. Ich stelle sie unter den Briefkasten, wenn ich weiß, dass sie abgeholt werden. So vermeiden wir den Kontakt entsprechend den Vorschriften.
Dadurch ist den Leuten geholfen und sie verlieren die Hoffnung nicht, diese leidvollen Tage zu überwinden. Obwohl ich in Klausur bin, habe ich kein Problem mit der Langeweile. Es gäbe noch viel zu sagen, aber ich denke, es ist genug.

Aus Spanien:

Ana Moreno: In Spanien konnten wir uns die schrecklichen Auswirkungen des Coronavirus gar nicht vorstellen. Wir haben Tausende von Todesfällen und noch mehr Infizierte. Das Gesundheitssystem brach völlig zusammen, vor allem in Madrid, das am stärksten betroffenen ist. Angestellte, Ärzte und Krankenschwestern, alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, geben mehr als 1000 Prozent. Ihnen gelten viele Solidaritätsaktionen: von der Herstellung von Schutzmasken zu Hause bis hin zu Spende von Sanitätshäusern. Jeden Tag um acht Uhr abends gibt es eine Welle des Applauses, als Dank an sie und an alle Mitarbeiter in den Apotheken und in den Supermärkten, die gegen den Vormarsch des Coronavirus kämpfen.
Aber unsere Gedanken sind auch bei den älteren Menschen. Unsere Alten, die uns in der Krise von 2008 sehr geholfen haben, die den Spanischen Bürgerkrieg und die Nachkriegszeit durchgemacht haben, sind heute die Hauptopfer. Wie behandeln und schätzen wir unsere Alten in der heutigen Gesellschaft?
Wir erleben eine echte Welle der Solidarität, die mit dieser Gesundheitskrise Schritt hält und uns eine Geschwisterlichkeit erfahren lässt, von der wir hoffen, dass sie jeden Tag weiter wächst.

Maria Jésus Aranda: An einem der ersten Tage, an denen ich in den Supermarkt ging, bemerkte ich, dass die Kassierer völlig erschöpft waren. Die Situation war chaotisch, denn sie mussten gleichzeitig für Nachschub sorgen und kassieren, was sie total überforderte.
Ich spürte, dass ich etwas tun musste und rief deshalb alle auf, den Angestellten, die sich so abmühten, zu applaudieren. Denn mit ihrer Arbeit tun sie praktisch eine soziale Tat, weil sie uns ermöglichten, trotz allem einzukaufen.
Und sie waren von dieser Geste ganz bewegt. Mir war diese Idee gekommen, weil ich an ihrer Stelle froh gewesen wäre, auf diese Weise ermutigt zu werden. Das ist meine kleine Erfahrung.

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