Ökumenischer Patriarch betont Sorge um das „gemeinsame Haus“

Der Rom-Besuch von Bartholomaios I. aus Anlass des internationalen Friedenstreffens stand auch im Zeichen der innigen Verbundenheit des Erzbischofs von Konstantinopel mit Sant’Egidio und mit der Fokolar-Bewegung.

Rom, 20.10.20 (poi)  Die Sorge um das „gemeinsame Haus“ stellte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. am Dienstag in den Mittelpunkt seiner Ansprache beim internationalen Friedenstreffen von Sant’Egidio mit Papst Franziskus auf dem römischen Kapitol. Das im Assisi-Format gestaltete Treffen biete in diesem „schwierigen Augenblick für die ganze Menschheit“ die Möglichkeit, über die Chancen einer „besseren Gesellschaft“ nachzudenken und zu meditieren, die imstande ist, die „großen Herausforderungen“ zu bewältigen, „die nicht nur einzelne Völker oder Nationen betreffen, sondern das ganze Leben in diesem wunderbaren Haus, das ein Geschenk der Barmherzigkeit Gottes ist“.

Bartholomaios I. betonte seine Überzeugung, dass eine Geschwisterlichkeit, die zu „Frieden und Gerechtigkeit, zu Respekt und Verständigung“ führt, die Sorge um das „gemeinsame Haus“ voraussetzt, in dem sich alle befinden.

Der Ökumenische Patriarch begrüßte die Fortschritte der letzten Jahre im Hinblick auf die Sensibilisierung der öffentlichen Meinung, die Bewegungen, Wissenschaftlern oder einfachen Bürgern zu verdanken sind, die sich für die Heilung der Wunden der Schöpfung einsetzen. All dies sei freilich durch die von der Corona-Pandemie ausgelöste gesundheitliche und wirtschaftliche Weltkrise in Frage gestellt worden, die neue Fragen aufwerfe. Umso mehr gehe es um einen neuen Weg von der „absoluten Herrschaft des Menschen“ über die ganze Schöpfung zu einer ökologischen Haltung, die imstande ist, die Präsenz des Göttlichen in der Schöpfung wahrzunehmen. Die Menschheit müsse ihre Aufgabe als „Hüterin“ des Geschaffenen wiederaufnehmen, unterstrich Bartholomaios I.: „Es gibt keinen Platz für Fundamentalismen, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten, Hedonismus, Egoismus und Herrschaftsgelüste“. Im „gemeinsamen Haus“ bedeuteten Geschwisterlichkeit und Frieden „wahre Freiheit“, die verständlich mache, dass sich in dieser „dunklen Stunde“ niemand „allein retten“ könne, nahm der Ökumenische Patriarch das Motto des von Sant’Egidio veranstalteten Friedenstreffens auf.

Bereits am Montagabend war Bartholomaios I. beim Abendgebet der Gemeinschaft Sant’Egidio in der Basilika Santa Maria in Trastevere zu Gast gewesen. Dabei brachte der Ökumenische Patriarch bereits eingangs seine freundschaftliche Verbundenheit mit dem Gründer der Gemeinschaft, Prof. Andrea Riccardi, zum Ausdruck. Er sei aus der Stadt Konstantins gekommen, aus der „megali ekklesia“, der „großen Kirche“, um in Rom nicht nur eine Botschaft der „friedlichen Koexistenz der Völker“ zu überbringen, so der Patriarch, sondern die noch bedeutendere biblische Botschaft: "Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt". Es sei ein Auftrag zur gegenseitigen Anteilnahme und Teilhabe an den Freuden und Schwierigkeiten. Es gebe viele Menschen, viele Religionen, viele Kulturen, sie seien der Reichtum der Kinder Gottes, sagte Bartholomaios I.: „Doch es gibt nur ein Volk, das Volk der Menschen, Geschöpfe Gottes und Bild Gottes, zu dem wir alle gehören, denn Gott hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne, wie in der Apostelgeschichte nachzulesen ist“.

Bartholomaios I. würdigte auch Maria Voce als „sehr geliebte Schwester“, deren Freundschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat lang zurückreiche, „seit ihrer Zeit in Konstantinopel, als sie einen unauslöschlichen Eindruck des Dienstes der Geschwisterlichkeit, der Einheit und der Liebe zu allen hinterließ“. Einige junge Leute der Fokolar-Bewegung stellten dem Patriarchen das „United Word Project“ vor, dessen Schwerpunkt heuer unter dem Motto „dare to care“ (die Sorge wagen) der Einsatz für die Umwelt und die schwächsten Glieder der Gesellschaft in aller Welt ist. Bartholomaios I. äußerte die Hoffnung, dass auch einige junge Orthodoxe an diesem „Projekt für das Wohl der Menschheit“ mitarbeiten können.

Text: poi - ProOriente

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